Unterwegs zu Fuß von Oberstdorf nach Bozen – Tag 6

Tag 6 (Zwieselstein – Moos) – Ein erhebendes Gefühl
5,42 Std. – 24,8 Km – 1.080 HM rauf / 1.500 HM runter

Oben am Timmelsjoch angekommen, fand ich einen ziemlich trubeligen, wenig einladenden Ort vor. Es waren viele Touristen dort, die diesen vorzugsweise mit Auto oder Motorrad leicht zugänglichen Ort besuchten. Also besonders schön war es nicht. Dennoch hatte er für mich eine besondere Bedeutung, denn es war nun die zweite Landesgrenze, die ich überschritt und es war ein gutes Gefühl zu wissen, dass ich es geschafft hatte, von Deutschland nach Italien über die Alpen gelaufen zu sein. Auch wenn die Reise noch nicht zu Ende war, so hatte ich doch einen wesentlichen Teil damit bereits geschafft. Der Bedeutung angemessen habe ich mich mit einem großen Stück Apfelkuchen und einer Tasse leckeren italienischen Kaffees belohnt.

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Unterwegs zu Fuß von Oberstdorf nach Bozen – Tag 5

Tag 5 (Braunschweiger Hütte – Zwieselstein) – Angst vor der Angst
4,30 Std. – 19,3 Km – 330 HM rauf / 1.620 HM runter

Der Aufstieg war, wohl auch wegen der Höhe und der damit verbundenen „dünneren Luft“ ziemlich anstrengend und deutlich in den Beinen zu spüren. Aber dadurch, dass ich alleine ging, konnte ich mein ganz eigenes Tempo mit vielen Fotopausen gehen. Beim heutigen Aufstieg war auch wieder etwas „Klettern“ angesagt und es gab einige Stellen, die mit Stahlseilen am Fels entsprechend versichert waren. Das gibt nicht nur Sicherheit, sondern entlastet auch die Beine deutlich. Ich hatte von diesen Stellen schon bei der Planung gelesen und war wegen einer Höhenangsterfahrung, die bereits Jahre zurück lag, ziemlich nervös deswegen. Die größte Sorge war, dass ich den Weg wegen der Angst vielleicht nicht gehen könnte und vielleicht sogar zur Rückkehr gezwungen sein würde. Aber dann, oben angekommen, stellte ich fest, dass ich in der Vergangenheit wohl eher Angst vor der Angst gehabt hatte. Ich denke, dass auf der einen Seite die Beschäftigung mit dem Thema Höhenangst und auf der anderen Seite die bislang während der Tour gemachten Erfahrungen dazu führten, dass sich die Angst tatsächlich nicht einstellte. So konnte ich die wirklich fantastische Aussicht oben auf dem Pitztaler Jöchl sehr genießen. Was für eine tolle Bergkulisse.

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Unterwegs zu Fuß von Oberstdorf nach Bozen – Tag 4

Tag 4 (Zams – Braunschweiger Hütte) – Es wird Routine
5,13 Std. – 16,9 Km – 1.980 HM rauf / 1.550 HM runter

Um 7:30 Uhr ging es dann los. Die Abläufe am Morgen, vor allem das Packen, werden immer routinierter und die Freude ist groß, wenn man wieder unterwegs ist. Der Körper scheint sich auch an die Belastung gewöhnt zu haben und schon nach den ersten Schritten ist man wieder in seinem Trott und es fühlt sich gut an einfach zu gehen. Hoch konzentriert zwar auf den Weg, doch auch mit einer Routine, die inzwischen ganz viel Raum für das Genießen der Umgebung und auch für sonstige Gedanken lässt. Das ist wunderbar und wahrscheinlich genau der Grund, warum man sich auf solche Art Wanderungen begibt.

 

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Unterwegs zu Fuß von Oberstdorf nach Bozen – Tag 3

Tag 3 (Memminger Hütte – Zams) – Der große Durst
4,11 Std. – 19,3 Km – 380 HM rauf / 1.850 HM runter

Die Schwierigkeiten ergaben sich an anderer Stelle. Nach dem der Abstieg sich also vom Vormittag bis zum Nachmittag hinzog war es insbesondere wichtig, gut darauf vorbereitet zu sein. Doch das war ich nicht. Die Stunden gingen dahin, vorbei an (bewirtschafteten) Almhütten und Gebirgsbächen immer auf der Süd- Südwestseite des Berges. Immer weiter bergab in Richtung Zams. Und auch wenn das Bergablaufen lange nicht so anstrengend ist wie das den Berg hinauf, so kostet es doch auch Kraft, allein schon wegen der Dauer des Abstiegs. Als ich feststellte, dass ich kein Wasser mehr hatte, lagen alle Möglichkeiten, unterwegs Wasser aufnehmen zu können hinter mir und natürlich kam keine Gelegenheit mehr des Weges. Und mein Navi sagte mir noch ca. 2 Stunden bis zur Ankunft in Zams. Der Weg zog sich immer weiter in endlosen Schlangenlinien den Berg hinab, leider nur selten von der sonnigen Seite auf eine schattige. Und auch die Bäume am Wegesrand spendeten nur wenig Schatten. Die Temperaturen stiegen mit jedem Höhenmeter, den es hinunter ging, an. Genau so verhielt es sich auch mit meinem Durst. Der wurde immer größer, ich hatte das Gefühl auszutrocknen und bald war es mir nicht mehr möglich die Schönheit des Weges und der Natur zu genießen, alle Gedanken drehten sich nur noch um trinken! Die Sonne brannte auf der Haut, die Zunge klebte am Gaumen und allmählich ließen auch die Kräfte nach. Doch der Weg zog sich und zog sich. Die Konzentration schwand mit den Kräften und so stolperte ich meinem Ziel entgegen. Und das ist natürlich im Gebirge und auf ausgesetzten Wegen nicht ungefährlich. Ich kämpfte mich durch, trieb mich selber an, die Tortur möglichst schnell hinter mich zu bringen. Aber das kostete natürlich noch mehr Kraft und verursachte noch größeren Durst. Aber schließlich bin ich dann doch wohlbehalten in Zams angekommen. Gleich am Ortseingang stand ein Brunnen mit Trinkwasser, und – warum wohl? – auch eine Imbissbude mit kalten Getränken. An dieser Stelle sammelten sich alle abgekämpften Wanderer und so manch einer verfluchte das tolle hochsommerliche Wetter. Mir war das jedenfalls eine Lehre und fortan achtete ich immer darauf genügend Wasser dabei zu haben und füllte auch auf, wenn der Behälter noch nicht ganz leer war bzw. trank dort, wo sich die Gelegenheit dazu bot.

 

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Unterwegs zu Fuß von Oberstdorf nach Bozen – Tag 2

Tag 2 (Kemptner Hütte – Memminger Hütte) – Selbstüberschätzung
7,12 Std. – 31,2 Km – 1.550 HM rauf / 1.170 HM runter

Der Aufstieg fiel sehr steil aus, führte zumeist durch sonnenbeschienene Hänge ohne viele schattige Stellen. Da kam das Blut richtig zum Kochen und je weiter es hoch ging, desto mehr wurden die Schritte zur Qual. Zu allem Überfluss hatte ich versäumt, mein 2-Liter-Trinksystem mit Wasser aufzufüllen, so dass ich vom Beginn des Aufstiegs bereits ohne Wasser war. Dieser Umstand führte zusätzlich dazu, dass ich mich langsam dem Ende meiner Kräfte näherte. Zwar führte der Weg die ganze Zeit in der Nähe eines rauschenden Gebirgsbaches vorbei, es bestand aber zunächst keine Möglichkeit, an ihn heranzukommen und Wasser aufzunehmen. Erst als ich der Verzweiflung schon ziemlich nahe war, kreuzte der Weg den Bach und ich konnte meine Wasserspeicher füllen. Aber da war es vielleicht schon zu spät. Jedenfalls zog sich der Weg noch ziemlich lange hin bis zu Hütte und die nach jeder Wegbiegung erwartete, nein erhoffte Ansicht der Hütte blieb zu meiner großen Enttäuschung aus. Die körperliche Entkräftung schritt voran und damit einher ging auch die Moral den Bach runter. Eine einzige Quälerei war das, nach dem sich auch noch Krämpfe im rechten Bein einstellten und ich musste mich ziemlich durchbeißen. Irgendwann kam die Hütte dann doch und ich war mehr als erleichtert. Im Nachhinein habe ich mir gedacht, wie gefährlich solch eine Situation der Entkräftung werden kann. Die Konzentration schwindet, damit die Trittsicherheit und wenn dann vielleicht unglücklich Umstände hinzukommen … . Insgesamt bin ich über 10 Stunden gegangen und ich war mehr als gespannt, wie mein Körper diese Belastung wegstecken würde.

 

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Unterwegs zu Fuß von Oberstdorf nach Bozen – Tag 1

Tag 1 (Oberstdorf – Kemptner Hütte) – Alles Neu(gier)
3,38 Std. – 16,9 Km – 1.110 HM rauf / 140 HM runter

Der Weg führte über Wiesen und Bäche, durch den Wald und auf engen Pfaden durch eine wunderschöne Gebirgslandschaft. Meine Sinne waren auf Aufnahme programmiert wie ein trockener Schwamm. Die Gerüche der Bergwiesen, das Rauschen der Bäche und das Konzert der Bewohner des Waldes, alles fernab der normalen Geräusche der Zivilisation – wunderbar. Wie das eben so ist, am Anfang einer Tour.

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Unterwegs zu Fuß von Oberstdorf nach Bozen – Prolog

6. E5 VS

Nun ist die Überquerung der Alpen zu Fuß sicher kein so außergewöhnliches Vorhaben mehr, immerhin werden solche Touren von Reiseveranstaltern angeboten und nahezu jeder, der einigermaßen fit ist, wird dieses Vorhaben bewältigen können. Aber das ist mir egal. Für mich stellt sich die Herausforderung, die durchaus anspruchsvollen Etappen in der Länge und in der Höhe, aber auch in der Abfolge zu meistern. Und natürlich die Frage, werde ich an Stellen kommen, an denen ich mich meiner Höhenangst stellen muss und werde ich diese Situationen meistern?

Der Plan ist also, den vielbegangenen Fernwanderweg E5 zwischen Oberstdorf in Bayern und Bozen in Südtirol zu wandern. Dabei werde ich in 10 Etappen, 19110 Höhenmeter (8580 Meter rauf, 10530 Meter runter) überwinden, Täler durchqueren, Gipfel stürmen, Flüsse queren und X-mal den eigenen inneren Schweinehund in den Hintern treten.

 

Alle Bilder zu der Tour gibt es zunächst peu a peu und dann alle und mehr auf der Übersichtsseite.

 

summertime

collageBlauer Himmel. Goldenes Korn. Flirrende Hitze. Singende Zykladen. Lange Tage. Kurze Nächte. Volles Leben. Kurz – es ist Sommer.

Ich war eigentlich schon auf dem Rückweg von einem schönen, aber auch anstrengenden Wanderwochenende in der Sächsischen Schweiz. Zufrieden mit dem Erlebten ließ ich meinen Blick vom Auto in die Landschaft schweifen. Und mir fiel dieser langgezogene Hügel auf, gesäumt von Getreidefeldern, eingerahmt von einer Baumreihe, und über allem der weite blaue Sommerhimmel. Das war ein schöner Anblick. Und ich fuhr weiter. Aber es gefiel mir sehr, was ich eben gesehen hatte. Ich sah Fotos vor meinem geistigen Auge. Ich fuhr trotzdem weiter. Doch die Bilder ließen mir keine Ruhe. Etliche Kilometer weiter  drehte ich kurzentschlossen um. Fuhr zurück, um diesen kurzen flüchtigen Moment des Sommers festzuhalten. Am Ende war ich zufrieden angehalten zu haben und diesen Moment mit nach Hause nehmen zu können.

 

 

 

my new old glasses

 

Ich bin eigentlich nicht so der Sonnenbrillentyp. Ist mir irgendwie immer lästig, dieses Auf und Ab der Brille. Aber auf der anderen Seite können Sonnenbrillen auch echt cool sein, wie diese aus den 80er-Jahren. Der Zufall führte mich auf einen Flohmarkt direkt zu einem Stand mit alten Sonnenbrillen. Und es war Liebe auf den ersten Blick – wie passend bei einer Sonnenbrille. Und da war der Schritt zu einr kleinen Fotoserie nicht mehr weit … .

 

 

das besondere bild (für mich)

Klar, irgendwie findet man natürlich alle Bilder gut, die man veröffentlicht. Aber es gibt daneben Bilder, die man besonders gut findet. Und das kann vielerlei Gründe haben, inhaltlich, formal, technisch. Ich habe mir vorgenommen, nun immer dann, wenn ich ein solches Bild gemacht habe, dieses besonders herauszustellen, losgelöst von der Serie, in deren Kontext es vielleicht entstanden und dort nur eines von vielen ist.

alter krug

 

Momentan ist keine Zeit für Serien, der rechte Arm ist gebrochen und fotografieren ist nur mit dem Handy möglich.  Und nun, nach fast 3 Wochen stelle ich fest, dass mir das Fotografieren echt fehlt. Fand ich bislang, dass das Fotografieren mit dem Smartphone eine schöne Abwechslung ist, so empfinde ich es nun als  nur mäßig befriedigenden Ersatz. Um so mehr habe ich mich gefreut ein Foto hinbekommen zu haben, welches mir am Ende dann doch ziemlich gut gefällt. Es gibt darauf nicht viel zu sehen. Ein reduziertes Motiv, Licht, Schatten, Gestaltung.
Jemand sagte mir, dass „die Beschränkung (ist) der Turbolader der Kreativität“ sei. Klingt gut. Trotzdem freue ich mich nun darauf, dass der Arm wieder in Ordnung kommt und ich bald endlich wieder eine „richtige“ Kamera bedienen kann.