Jahresrückblick 2015

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Und wieder ist ein Jahr vorüber. Kein besonders gutes, aber auch kein besonders schlechtes. Aber damit kann man ja eigentlich auch schon zufrieden sein.
Fotografisch betrachtet war es sehr abwechslungsreich und stand ganz im Zeichen der Reisefotografie. Das Jahr begann an der winterlichen Ostsee auf Rügen. Dann führte mich mein Weg in die Normandie und nach Paris. Im Sommer ging es zu Fuß über die Alpen durch Österreich bis nach Italien. Zu Ende ging das Jahr dann auf Kuba. So habe ich sehr viele schöne Orte gesehen und mir mit Kuba einen großen, lang gehegten fotografischen Wunsch erfüllen können. Und natürlich waren auch wieder ein paar Lost Places dabei, um den fotografischen Reigen abzuschließen.

Der Rückblick bietet auch Gelegenheit für einen Ausblick auf das kommende Jahr. Fest (und kurz bevor) steht schon eine Reise nach Istanbul, eine in die USA kommt möglicherweise ebenfalls zustande.

Und die Gelegenheit ist natürlich günstig, an dieser Stelle allen, die den Weg auf meine Seite gefunden haben, ein glückliches, gesundes und erfolgreiches 2016 zu wünschen!

 

Im Tal von Vinales

Im Tal von Vinales

Neben Havanna empfiehlt der Reiseführer dem Kubareisenden unbedingt auch einen Besuch in Vinales. Dieser kleine Ort liegt nordwestlich der kubanischen Hauptstadt in der Region Pinar del Rio.

Der Ort liegt im gleichnamigen Tal von Vinales, welches zu einem großen Teil auch ein geschützter Naturpark ist. Das liegt daran, dass die topographischen Besonderheiten in dem Gebiet – die Mogoten genannten Berge – einmalig so auf der Welt sind. Und tatsächlich ist dieser Landstrich mit den vielen Feldern, der roten Erde und der üppigen Vegetation, eingebettet in eine pittoreske Berglandschaft, ein Reise wert.

Vinales selbst ist sehr klein und der Tourismus prägt das Bild des Ortes. Ebenso wie der Tabakanbau. Insgesamt macht die Gegend einen vergleichsweise wohlhabenden Eindruck, was sich an gepflegten Häusern und intakten  (Haupt-) Straßen zeigt. Dieser sehr bescheidene Wohlstand ist wohl dem Tabakanbau – hier kommen die weltberühmten Zigarren Kubas her – und dem florierenden Tourismus geschuldet. Aber eben dieser war mir dann am Ende zuviel und so fand ich dann auch, dass, trotz der vielen schönen Eindrücke, 5 Tage dort ausreichend sind … .

 

Alle Bilder gibt es hier zu sehen.

 

Havanna – wo Sehnsucht und Hoffnung aufeinandertreffen

Malecon, Havanna

Havanna ist nicht schön. Jedenfalls nicht im strenggenommen Sinne. Dennoch ist es für viele ein Sehnsuchtsort. Der Verfall ist allgegenwärtig, Lärm und Gestank von Müll und Abgasen findet sich vielerorts. Aber das ist es nicht, was Havanna so reizvoll und interessant macht. Havanna ist wie eine Reise in historischer Kulisse, in der man vergessen hat das Äußere dem modernen Leben der Menschen anzupassen. Diese charmante, morbide Erscheinung zeigt sich in maroden Straßenzeilen und an amerikanischen Straßenkreuzern aus der Mitte des vergangenen Jahrhundert. Havannas Reiz ergibt sich aus der Erinnerung an vergangene, vielleicht bessere Zeiten. Es fällt nicht schwer, sich beim Gang durch Havannas Straßen vorzustellen, wie schön die Stadt einst gewesen sein muss, bevor der Verfall Einzug hielt. Havannas Reiz ergibt sich aber vor allem auch aus den Menschen, die dort Leben, die dem Leben und den Reisenden mit einer offenen lebensfreudigen Art begegnen, die im Widerspruch zu den schwierigen Lebensumständen dort stehen.

Doch für all das haben die Einwohner Havannas, die Habanero, keinen Blick. Verständlicherweise. Der Alltag lässt dafür keinen Raum. Havanna scheint im Aufbruch. Die Hoffnung der Menschen dort auf Veränderungen ist groß, doch kann niemand genau sagen, wie diese einmal aussehen werden. Die immer mehr ins Land kommenden Touristen mehren hierbei den Wunsch, auch am Wohlstand teilzuhaben. Es ist die offensichtliche Diskrepanz zwischen dem vermeintlichen Reichtum der Touristen und der schwierigen Lebensumstände der Habaneros die viele Entwicklungen in Havanna, gute wie schlechte, katalysieren.

So finden sich in Havannas Straßen die Hoffnungen der Habaneros und die Sehnsüchte der Reisenden zusammen.

 

Alle Bilder gibt es hier zu sehen.

 

zoo – logisch

gorillaIch wollte immer schon mal Portraits von Tieren machen. Da traf es sich gut, dass ich mir einen Telekonverter zugelegt hatte, den ich auch noch dringend ausprobieren wollte. Der frühlingshafte Novembertag schien ein letztes Argument gewesen zu sein, den Plan nun in die Tat umzusetzen.

Im Zoo war es dann eher komisch. Auf der einen Seite die vergnügten Menschen, die sich des sonnigen Wetters und dieses Sonntagsausflugs freuten, auf der anderen Seite die vielen Tiere, eingesperrt in (gemessen an den natürlichen Lebensräumen viel zu kleinen) Gehegen, Käfigen und Glaskästen. Besonders bei den uns Menschen nahe stehenden Menschenaffen fiel mir diese Diskrepanz besonders auf und stimmte mich traurig. Diese traurigen Augen der Tiere … .

 

Alle Bilder gibt es hier zu sehen.

 

 

gestrandet

gestrandetEs ist ein schlimmes Gefühl, wenn man erkennt, dass die Dinge anders laufen, als man sie einmal geplant hatte. Insbesondere, wenn es einen klaren Plan gab und dann Dinge dazwischen kommen, die man selbst nicht zu verschulden hat. Und dann findet man sich in einer Situation wieder, die mit der eigentlichen Planung nichts mehr zu tun hat.
Sehr deutlich wird das in der Nacht an einem großem Bahnhof, wo sich Menschen zusammenfinden, die sicher für die Nacht eigentlich andere Pläne gehabt haben. Unmittelbar, oder irgendwann vielleicht einmal. Hiervon handelt diese Bildstrecke, die durch einen Klick auf das Bild gestartet werden kann.

 

Zur Zeit beschäftige ich mich sehr mit dem Thema Fotoreportagen. Insbesondere die multimediale Präsentation von Bildern, verstärkt mit Worten und Tönen, bietet vielfältige und spannende Möglichkeiten, Themen und Inhalte zu transportieren.

 

das besondere bild (für mich)

Klar, irgendwie findet man natürlich alle Bilder gut, die man veröffentlicht. Aber es gibt daneben Bilder, die man besonders gut findet. Und das kann vielerlei Gründe haben, inhaltlich, formal, technisch. Ich habe mir vorgenommen, nun immer dann, wenn ich ein solches Bild gemacht habe, dieses besonders herauszustellen, losgelöst von der Serie, in deren Kontext es vielleicht entstanden und dort nur eines von vielen ist.

mimikry

 

Es ist nicht besonders schwierig, etwas fotografisch umzusetzen, wenn einem die Motive auf dem silbernen Tablett kredenzt werden. Die Sache sieht dann anders aus, wenn auf den ersten und vielleicht sogar auch auf den zweiten Blick nichts ist, was das Betätigen des Auslösers wert wäre. Als dieses Bild entstand, war ich gerade in einem Tagungsraum damit beschäftigt, Veranstaltungsfotos zu machen, bis das Muster des Teppichbodens im Zusammenwirken mit den Stühlen mein Interesse weckte. Ich sehe noch die fragenden Blicke neben mir: „Was macht der da, was gibt es da zu fotografieren?“. Ich nenne es „mimikry“.

 

Weitere minimalistische Bilder gibt es übrigens hier zu sehen.

 

mehr(ge)schichtig – zwischen banalität, kunst und vergänglichkeit

subwayIdeen haben, umsetzen, zeigen. Wirklich zeigen? Am Anfang war einfach die Idee, mal ein paar Selbstportraits zu machen, die vielleicht irgendwann auch einmal als Erinnerung daran taugen, wie man einmal war, einmal ausgesehen hat. Denn auf eines ist Verlass, auf die Veränderung. Doch diese Bilder so einfach zu präsentieren war zu einfach und gefiel mir nicht. Und so entstand die Idee, die Portraits in weiteren Aufnahmen zu verpacken. Schnell kamen verschiedene Szenen in meinem Kopf zusammen und das passende Material war ebenso schnell produziert. Und so günstig kommt man nie wieder an Plakatflächen in bester Lage. Ob das nun Kunst oder banal ist. Das liegt wohl im Auge des Betrachters. Und – who cares?

 

 

Touren durch den Verfall

lichtstimmung
Früh war’s, und mühsam. Zahlreiche Gebäude, treppauf, treppab. Dunkle Keller mit schimmeligen Uniformteilen, stinkendem Elektroschrott oder Unrat, den die Nachbarschaft hier – die Gelegenheit ist günstig – einfach abgekippt hat. Treppen und Böden, die unter dem Gewicht des eigenen Körpers  bedenklich nachgeben, Metallteile, die unerwartet im Raum hängen und die eigene Stirn lädieren. Unweigerlich drängt sich die Frage auf, was mache ich hier?

Und so einfach ist die Antwort auf die Frage nicht. Es ist sicher der Charme des Vergänglichen, der Versuch, einen kleinen Augenblick des Verfalls in einem Bild festzuhalten. Es ist sicher auch die Spannung, weil man nie weiß, was einen im kommenden Augenblick erwartet, wenn man den nächsten, düsteren Kelleraum oder verfallenen Dachboden betritt. Wandbilder, Ausrüstungsgegenstände, Spuren des menschlichen Da(gewesen)seins, oder einfach nur, wie das Licht in unvergleichlicher Weise durch die Fenster fällt und dabei den voranschreitenden Verfall inszeniert. Das Wissen, dass das alles bald weg sein wird, lädt das Empfinden auf. Von allem wohl ein bisschen. Deswegen wohl.

 

Alle Bilder gibt es hier zu sehen.

 

 

Unterwegs zu Fuß von Oberstdorf nach Bozen – Tag 9

Tag 9 (Meran 2000 – Bozen) – Call me Hannibal!
6,05 Std. – 29,1 Km – 370 HM rauf / 2.050 HM runter

Der Abstieg bis Bozen war landschaftlich abwechslungsreich. Man merkte aber auch, dass man immer näher in Richtung „Zivilisation“ kam und dass die Umgebung zum Naherholungsgebiet Bozens gehört. Immer mehr Tagesausflügler waren anzutreffen und die Bergwelt, wie ich sie die vergangenen Tage erlebt habe und die den Wanderern vorbehalten geblieben war, blieb immer weiter zurück. Der Weg bis Bozen rein war deshalb so anstrengend, weil er, vor allem das Stück von Jenesien an, entweder auf schwer zu gehendem steinigen Boden oder aber auf asphaltierten Wegen verlief. Dazu war der Weg sehr steil und lag auch meistens in der prallen Sonne. Das war für die Eidechsen, die auf den Gartenmauern in der Sonne lagen vielleicht schön. Ich habe das etwas anders empfunden. Vor allem die letzten Kilometer waren dann aber trotzdem sehr schön anzusehen, der Weg führte durch die Obstplantagen und Weinberge Bozens und die Stadt breitete sich im Tal aus.

Am Ende des Tages hatte ich 28 Kilometer hinter mich gebracht und war wieder mal total geschafft. Allerdings nun zum letzten Mal, denn nun war ich am Ende meiner Reise angekommen. Ich hatte tatsächlich die Alpen zu Fuß überquert – Call me Hannibal!

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Unterwegs zu Fuß von Oberstdorf nach Bozen – Tag 8

Tag 8 (Pfandler Alm – Hirzer Hütte – Meran 2000) – Höhepunkte
2,26 Std. – 10,3 Km – 950 HM rauf / 280 HM runter / 3,37 Std. – 11,5 Km – 790 HM rauf / 870 HM runter

Nach einer guten Stunde bin ich dann zur 2. Etappe des Tages gestartet. Und da ging es zuerst mal nur steil bergauf, hoch zum Hirzer. Das war brutal. Der Aufstieg hat mich dann auch fast 2 Stunden gekostet. Das letzte Stück musste dann auch noch richtig geklettert werden, ohne Stahlseilsicherungen am Fels. Das hinterließ schon etwas zwiespältige Gefühle bei mir, weil ich das so in der Form bislang noch nicht gemacht hatte. Dazu kamen dann die 14 Kg auf dem Rücken, die nicht unbedingt das Klettern erleichterten und aber auch die Unsicherheit verstärkten, weil die ganze Körperbalance sehr anfällig wurde. Am Ende bin ich aber wohlbehalten oben angekommen und muss sagen, dass ich durch die fantastische Fernsicht belohnt wurde. Links und rechts zog sich ein Grat, dem ich ein Stück folgte. Immer begleitet von diesem wundervollen Bergpanorama, an dem ich mich nicht satt sehen konnte. Besonders fiel mir am Horizont eine bislang nicht gesehene, aber sehr typische Gebirgsformation auf, die Dolomiten. Ich denke, neben dem rein visuellen Erlebnis wird das Empfinden auch zusätzlich von der Freude darüber beeinflusst, dass man sich diese tolle Aussicht selbst erarbeitet hat. Das sind echte Höhepunkte!

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