Nachts allein im Wald

Dachzelt ist anders

Das vergangene Jahr war ich viel mit dem Dachzelt unterwegs, oft auch allein und an einsamen Stellen, irgendwo in der Mitte vom nirgendwo. Anfänglich verspürte ich auch dabei eine Unsicherheit, mal mehr, mal weniger. Inzwischen ist das Gefühl einer aufmerksamen Gelassenheit gewichen und das Übernachten im Dachzelt ohne Begleitung ist zu einem entspannten Genuss geworden.

Abendhimmel über der Prignitz
Himmel über der Prignitz

Gefühlte Unterschiede

Nun wurde es also Zeit für die nächste Herausforderung. Da sich mein Interesse in den vergangenen Monaten auch immer mehr für Bushcraft-Themen entwickelte, stellte ich mir die Herausforderung, nun auch mal ohne Dachzelt, einfach nur mit einem Tarp über dem Bodenlager oder der Hängematte zu übernachten. Der wesentliche Unterschied zum Dachzelten ist, dass man hier die schützende Höhe von 1,70 m über dem Boden tauscht gegen die mehr oder weniger bodennahe Umgebung des Waldbodens und seiner Bewohner. Zudem sind die Orte für solche Übernachtungen noch abgeschiedener und verlassener – mitten im Wald eben. Diese Unterschiede führen dazu; dass man sich ungeschützter, ausgelieferter fühlt. Die Folge: Angst.

Übernachtung in der Hängematte
Übernachtung in der Hängematte

Der erste Schritt

Nun wollte ich die Herausforderung in zwei Etappen angehen – die erste Nacht in Begleitung und die zweite dann ganz alleine. Für die erste Nacht hatte ich ein Waldstück im nördlichen Brandenburg ausgesucht. In Begleitung meines Sohnes wanderte ich mehrere Kilometer in den Wald und wir richteten dort ein Lager mit Hängematten ein. Auch Hängemattenschaffen noch mal einen (gefühlten) Sicherheitsabstand. Allerdings ist das Schlafen darin schon auch gewöhnungsbedürftig, insbesondere, wenn man sich viel bewegt und kein reiner Rückenschläfer ist. Die größte Herausforderung dieser Nacht war allerdings ein Gewitter, welches unerwartet aufzog. Zum Glück aber zog dieses über uns hinweg, ohne für irgendwelche Schäden zu sorgen. Die Nacht war unruhig und immer wieder war ich wach, weil ich mir (sicher nur) einbildete, dass um unser Lager herum irgenwelche (sehr!) wilde Tiere umherschlichen. Was natürlich quatsch war und nur Ergebnis meiner Überaufmerksamkeit war. Nach dem ich diese Nacht „überlebt“ hatte, war es Zeit, die nächste Stufe zu zünden – nachts allein im Wald!

Prignitzer Wälder und Seen
Prignitzer Wälder und Seen

Die nächste Herausforderung

Hierzu fuhr ich in die Abgeschiedenheit der Prignitz und machte mich wandernd auf den Weg zu dem zuvor per Google Maps erkundeten Gebiet, wo ich übernachten wollte. Die Wahl war ganz hervorragend, ein idyllisch gelegener Ort an einem See in eine nicht zu dichten Wald. Bei wunderbarem Wetter genoss ich den Tag, richtete das Lager ein und freute mich auf die Nacht. Diesmal schlief ich in einem Minizelt, kaum größer als der Schlafsack selbst. Aus meinem bodentiefen Fenster konnte ich prima den nächtlichen Waldboden beobachten bis ich so müde wurde, dass mir die Augen zufielen. Von Angst oder Unruhe eigentlich keine Spur. Vom nicht sehr weiten Wasser her hörte ich immer mal wieder Aktivitäten, wohl von springenden Fischen oder jagenden Ottern (oder so ähnlich). Ansonsten blieb es ruhig und mein Unterbewusstsein lernte in dieser Nacht, dass es keinen realen Grund für Angst gibt. Ich bin sicher, dass dieses Gefühl – ähnlich meiner Erfahrung beim Dachzelten – zukünftig mit jeder Übernachtung im Wald abnehmen wird. Was bleibt ist eine erhöhte Aufmerksamkeit, die sicherstellt, dass man auf eintretende ungeplante Situation reagieren kann. Aber das ist ja auch gut so. Und am Ende war auch ein bisschen Stolz, sich den eigenen Ängsten gestellt und überwunden zu haben.

Von der Übernachtung in der Prignitz gibt es auch einen kurzen Film. Hier der Link dazu.

Übernachtung im Minizelt
Übernachtung im Minizelt

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