Mit dem Dachzelt durch Albanien

Im Dachzelt ausgerechnet durch Albanien?

Dass Albanien ein Trendreiseland sein sollte, überraschte mich schon, als ich dieses vom Buchhändler beim Kauf eines Reiseführers erfuhr. Dieses kleine Land auf dem westlichen Balkan kam mir deshalb in den Sinn, weil es eben noch nicht so touristisch erschlossen ist und damit noch eine gewisse Ursprünglichkeit aufweist. Und natürlich auf engstem Raum fantastische Naturlandschaften bietet, von der Bergwelt über Flusslandschaften bis zur mediterranen Küste, alles, was man sich als Reisender nur wünschen kann.  Außerdem war es natürlich reizvoll, mit dem Dachzelt in einem Land unterwegs zu sein, in dem noch nicht alles bis ins Letzte reglementiert und vieles verboten ist. So ist das Übernachten im Dachzelt außerhalb von Campingplätzen völlig problemlos möglich.

Albanische Alpen

Ich wählte eine Route, die in den sogenannten albanischen Alpen begann. Diese Region ist gerade für Wanderer sehr interessant und weist inzwischen auch schon sehr gut gekennzeichnete Wanderrouten auf. Das Tal von Theth gehört wohl zu den prominenteren Orten von Albanien, was angesichts der Schönheit dieses Ortes und der Umgebung nur wenig überrascht. Ein Muss ist hier die Wanderung zum „Blue Eye“ sowie, entsprechende Kondition vorausgesetzt, die Wanderung von Theth nach Valbona.

Von Koman zum Ohridsee

Mein Weg führte mich weiter über den Koman-See und den Drin bis zum Ohridsee. Ein kleines Stück dieser Strecke musste ich mit der Fähre zurücklegen, welche auf smaragdgrünem Wasser durch eine atemberaubende Berglandschaft fuhr. Die meisten Siedlungen, meist nur wenige Häuser, sind nur mit dem Boot erreichbar, weil die Uferbereiche für andere Fahrzeuge viel zu unwegsam sind. Von Fierze ging es nach Kukes. Die beiden Orte sind Luftlinie nur ca. 40 Kilometer entfernt. Die enge Straße schlängelt sich jedoch auf einer Strecke von 109 Kilometern durch Täler und Berge in einem steten Auf und Ab, Links und Rechts. Steigungen / Gefälle von über 10 %  sind eine echte Herausforderung für Fahrzeug und Fahrer. Man wird jedoch belohnt mit immer wieder atemberaubenden Aussichten. Bei solch einer Strecke war es kaum zu schaffen, den Ohridsee innerhalb eines Tages zu erreichen.

Berat

Dieser See an der Grenze zu Nordmazedonien – ein großer Teil des Sees gehört hierzu –  war ein weiterer Kontrast zu der Berglandschaft, von der er umgeben ist. Der See ist einer der ältesten der Erde und von beeindruckender Größe. Ein schöner Ort ist das alte Fischerdorf Lin. Vom Ohridsee ging es nach Berat, der Stadt der tausend Fenster. Den ursprünglichen Plan, kleinste Straßen zu wählen, hatte ich verworfen, da diese kaum mehr als Schotterpisten sind, die Auto und Nerven auf eine gewaltige Probe stellen. Die Altstadt von Berat ist ganz sicher sehenswert, ist inzwischen auch Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Albanische Riviera

Von Berat dann ging es an die Mittelmeerküste. Die NYT hat auf einer Bucketlist für 10 weltweit noch zu bereisende Orte als einzigen europäischen die Albanische Riviera aufgeführt. Und ich kann das sehr gut verstehen. Ich stand mit dem Wagen direkt in einer Bucht, die den malerischen Titel „Aquarium Bay“ trug – und ihm gerecht wurde! Der Blick aus dem Dachzelt führte direkt auf das türkisfarbene Mittelmeer … .

Tirana und Umgebung

Über den Llogara-Pass (sehr sehenswert!) ging es dann wieder nach Norden, nach Tirana. Ich wollte wenigstens einen kurzen Blick auf Albaniens Hauptstadt werfen. Und Tirana ist dieses auch durchaus wert. Eine quirlige Metropole, die in Bezug auf Ihre Bewohner und ihre Architektur (im Innenstadtbereich) sich deutlich von den anderen Teilen des Landes unterscheidet. Alles wirkt trotz der teilweise historischen Kulisse moderner und quirliger. Aber nach einem halben Tag reichte es dann auch und ich fuhr in die nahen Berge zum Bovilla-Stausee. Als wäre das nicht spannend genug, durfte ich am Nachmittag dann auch noch Zeuge eines Erdbebens werden. Aber Tirana hatte es schlimmer getroffen, so dass ich mit nur dem Schrecken davon gekommen bin. Die wunderschöne Umgebung des Stausees machte den Schrecken des Bebens schnell vergessen und ich genoss eine Nacht und spektakulären Sonnenaufgang im Dachzelt inmitten schönster Natur. Einzig ein ab und zu „vorbeirasender“ Mercedes, alte D-Klasse oder Sprinter-Kastenwagen erinnerte daran, nicht in völliger Abgeschiedenheit zu sein.

Schlusspunkt nördliche Mittelmeerküste

Der Aufenthalt in Albanien klang dann an der Küste, südlich von Shkodra aus. Malerische Landschaften, freundliche Menschen und leckeres Essen werden mir in Erinnerung an einen gelungenen Urlaub im Dachzelt im Gedächtnis bleiben.

Wer Interesse an einem detaillierten Verlauf der Reise mit mehr Geschichten und mehr Bildern hat, kann sich hier mein Reisetagebuch anschauen.

Und wer es weniger mit dem Lesen hat, sondern sich viel mehr an bewegten Bildern erfreut, findet hier einen Link zu meinem Video.

Und schließlich, eine Auswahl der Bilder dieser Reise gibt es hier zu sehen.

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